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Die Adipositas ist eine Epidemie mit katastrophalen Folgen für die Gesundheitssysteme der Industrieländer. Nach internationalen Maßstäben sind etwa 50 % der Deutschen übergewichtig, 20 % der deutschen Bevölkerung ist adipös, aus dieser Gruppe sind wiederum 2 % morbid adipös. Chirurgische Behandlungsverfahren stehen am Ende unterschiedlicher Therapiemöglichkeiten.
Ausschlaggebend für einen Operationserfolg ist die Evaluierung in einer interdisziplinären Sprechstunde. Da das Eßverhalten sehr variabel ist, ist der Erfolg einer Operation um so besser, je mehr Informationen vor der Operation zur Verfügung stehen.
Die Diskussion, welches Operationsverfahren bei welchem Patienten zur Anwendung kommt, richtet sich häufig nach den Vorlieben des Chirurgen bzw. ob an einer Institution Alternativverfahren angeboten werden oder den spezifischen landestypischen Bedingungen. Der laparoskopisch durchgeführte Magenbypass ist in Amerika z.B. der Gold-Standard, in Deutschland gibt es zu diesem Eingriff im DRG-System aktuell keine Abrechnungsziffer.
Die individuelle Beratung der Patienten hat das Ziel, eine adäquate Operation zu finden. Eine Gewichtsreduktion ist prinzipiell immer möglich, die Frage ist nur, um welchen Preis. Somit fließt das sozikulturelle Umfeld des Patienten, die Kooperation sowie die Möglichkeit der postoperativen körperlichen Aktivität mit in die Überlegungen. Entscheidend sind auch die Höhe des BMI sowie die Komorbidität. Schlafapnoe und insulinpflichtiger Diabetes mellitus haben sicher einen anderen Stellenwert als Hypertonus und degenerative Gelenkerkrankungen.
Bei der individuellen Beratung der Patienten darf nicht alleine das Körpergewicht, d.h. die Reduktion der Energiezufuhr im Vordergrund stehen, wichtig sind auch die Motivation, d.h. Sehnsüchte und Wünsche des Patienten. Wichtig ist die Frage, ob der Patient mit den Folgen des Eingriffes umgehen kann.
Die Beurteilung des Therapieerfolges durch den Patienten ist hingegen manchmal völlig konträr, da dieser durch den Eingriff eine pauschale Vorstellung der Lösung aller für ihn relevanten Probleme projiziert. Unserer Erfahrung nach haben Patienten mit wenig Eigenverantwortung und hohem Erwartungsdruck eine schlechtere Prognose.
Die Selektion der Patienten für das Magenband führen wir daher nicht nur durch die Höhe des BMI’s durch. Ein gutes Ergebnis ist zu erwarten, wenn in der Anamnese mehrfache gewichtsrelevante Gewichtsabnahmen (> 15,0 kg) zu erheben sind, der Patient Eigeninitiative zeigt und nicht das Abnehmen sondern das Halten eines niedrigen Gewichtsniveaus über Jahre das Problem ist. Eine Änderung der Persönlichkeitsstruktur durch den bariatrischen Eingriff ist sicher nicht zu erwarten, die Steigerung der körperlichen Fitness ist sicher möglich und im Vorfeld evaluierbar.
Quelle: Dr. Schlensak, Alfried-Krupp-Krankenhaus Essen
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