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Seite 1 von 3 von Dipl.-Psych. Ruth Stenne, Köln
Psychologische Aspekte
Der aktuellen Befundlage nach geht man davon aus, dass es nicht nur die eine Ursache für Adipositas gibt, sondern dass vielmehr mehrere Faktoren eine Rolle spielen.
Nicht nur biologische/genetische oder psychische Einflussfaktoren allein führen für sich genommen zum Übergewicht, sondern häufig ist ein komplexes System mit mehreren Bausteinen ursächlich.
Es lässt sich kaum sagen, wie viel Platz welcher Baustein einnimmt. Die folgende Aufzählung von Einflussfaktoren ist sicherlich nicht vollständig, denn jeder Mensch ist anders und jedes Leben verläuft individuell, soll aber einen groben Einblick vermitteln.
 1. Lerngeschichte im Umgang mit Essen
- Wie wurde in der Familie mit Essen umgegangen?
- Wurden die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen?
- Kochte die Mutter selbst oder gab es hauptsächlich Fertigprodukte?
- In welcher Atmosphäre fanden dieMahlzeiten statt (hektisch, vor laufendem Fernseher, angespannt)?
- Wurde Essen als Seelentröster eingesetzt ((„Iss ein Stück Schokolade, dann geht es Dir besser.“)?
- Diente Essen als Befriedigung anderer Bedürfnisse, um das Kind zu beruhigen oder „seine Ruhe zu haben“?
Die Funktion der Nahrungsaufnahme in der Familie ist mit ausschlaggebend für das spätere Verhalten der Kinder, denn Kinder schauen sich meist einiges von den Eltern ab und lernen von diesen, wann, was und wie gegessen wird und übernehmen dieses Verhalten, das zur Gewohnheit wird. Daraus kann sich eine Fehlernährung entwickeln, die letzten Endes zu Übergewicht führen kann.
Der Stellenwert des „Essens in Ruhe“ und der Essenszubereitung nehmen in der Gesellschaft in ihrer Bedeutung ab, es muss schnell und infach gehen, was für viele Menschen nicht mit gesunder Ernährung vereinbar scheint. Eingeschliffene Verhaltensweisen diesbezüglich verselbständigen sich und laufen teilweise automatisch ab, was nicht bedeutet, dass man sie nicht ändern kann.
2. Psychische Erkrankung
Es gibt adipöse Menschen, bei denen sich vor der Adipositas psychische Erkrankungen entwickelten. Bei einer vorliegenden psychischen Erkrankung wie bei Depressionen oder einer Angststörung, kann das Essen als entlastend empfunden werden. Häufig fällt es dieser Personengruppe schwer, Aktivitäten nachzugehen oder aufrechtzuerhalten, sie isolieren sich vom sozialen Umfeld und suchen/finden Trost durch die Nahrungsaufnahme und bewegen sich zu wenig, um die Energiebilanz auszugleichen.
Dadurch verstärken sich die Symptome der psychischen Erkrankung wie Minderwertigkeitsgefühle, Antriebslosigkeit und Ängste jedoch eher noch und bringen die Person in eine immer aussichtsloser scheinende Lage.

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